Nicole Kramer: Volksgenossinnen an der Heimatfront. Mobilisierung, Verhalten, Erinnerung
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Nicole Kramer: Volksgenossinnen an der Heimatfront. Mobilisierung, Verhalten, Erinnerung (rezensiert von Maren Röger)

Wie das Verhalten des weiblichen Teils der deutschen Bevölkerung unter der NS-Herrschaft einzuschätzen sei, ist eine Frage, die die historische Zunft erst über lange Zeit kaum interessierte und dann polarisierte. Der sogenannte Historikerinnenstreit der ausgehenden 1980er Jahre drehte sich um die Frage, ob die deutschen Frauen eher Täterinnen oder Opfer waren. Diese dichotome Perspektive war wenig gewinnbringend, so dass sich die wissenschaftlichen Publikationen nach dieser Debatte dieser Engführung weitgehend entzogen. Schritt für Schritt konnte seitdem das Wissen um unterschiedliche politische Einstellungen und Verhaltensweisen desjenigen weiblichen Teils der deutschen Bevölkerung erweitert werden, der weder aus rassistischen noch politischen Gründen aus der NS-Volksgemeinschaft ausgeschlossen wurde.

Kristin Platt: Bezweifelte Erinnerung, verweigerte Glaubhaftigkeit. Überlebende des Holocaust in den
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Warum bespricht ein Historiker eine sozialwissenschaftliche Dissertation, die sich mit der Aussagepsychologie von Holocaustüberlebenden vor deutschen Sozialgerichten beschäftigt? Die Antwort lautet: Wie Kristin Platt war der Rezensent in Ghettorentenfällen für die Sozialgerichte als Gutachter tätig. Während er die Beschäftigungssituation der Juden in nationalsozialistischen Ghettos erläuterte, war die Autorin der vorliegenden Untersuchung dafür zuständig, Aussagen von Überlebenden auf ihren Gehalt hin zu beurteilen - in beiden Fällen ging es darum, für die richterliche Entscheidung, ob im konkreten Einzelfall eine Rente aus der deutschen Sozialversicherung für die Arbeit in einem Ghetto gezahlt werden müsse, wissenschaftlich gesicherte Informationsgrundlagen bereitzustellen.

Glenn W. Olsen: Of Sodomites, Effeminates, Hermaphrodites, and Androgynes
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Glenn W. Olsen: Of Sodomites, Effeminates, Hermaphrodites, and Androgynes. Sodomy in the Age of Peter Damian (rezensiert von Albrecht Diem)

Of Sodomites, Effeminates, Hermaphrodites, and Androgynes ist keine Geschichte der Sexualität (oder der Homosexualität), sondern ein Versuch, die Facetten und die Wurzeln dessen zu beschreiben, was sich heutzutage als Sexualität manifestiert. Olsens Studie entfaltet sich zwischen drei Angelpunkten, der Auseinandersetzung mit dem 1980 erschienenem Standardwerk Christianity, Social Tolerance and Homosexuality des amerikanischen Historikers John Boswell, der bildlichen Darstellung gleichgeschlechtlicher Sexualität in französischen und spanischen romanischen Kapitellen und Petrus Damianis berüchtigtem, um 1050 entstandenen Brief 31 (auch Liber Gomorrhianus genannt), der wohl schärfsten mittelalterlichen Verurteilung gleichgeschlechtlichen Verhaltens.

Tobias Hochscherf: The Continental Connection. German-Speaking Émigrés and British Cinema, 1927-45
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Tobias Hochscherf: The Continental Connection. German-Speaking Émigrés and British Cinema, 1927-45 (rezensiert von Christoph Hesse)

Die Zeiten, da das britische Kino aus der sicheren Distanz eines Ignoranten als bieder und langweilig abgetan werden konnte, sind lange vorbei. Noch zu Beginn der 1970er-Jahre sprach Alan Lovell vom unbekannten Kino Großbritanniens. Mit demselben Eifer, mit dem vornehmlich britische Kritiker die Filmproduktion ihres Landes über Jahrzehnte verächtlich gemacht hatten, wurden seither so viele Bücher darüber geschrieben, dass das britische Kino heute zu den am sorgfältigsten erforschten Regionen der Filmgeschichte gehört.

Relativ wenig Beachtung fand dabei bisher, was Emigranten aus dem übrigen Europa zu diesem Kino beigetragen haben. Dem international erfolgreichsten britischen Film der 1930er-Jahre, The Private Life of Henry VIII (1933), der einen englischen Hauptdarsteller (Charles Laughton) in der Rolle eines berüchtigten englischen Königs zeigt, ist nicht ohne weiteres anzusehen, dass er von dem aus Ungarn stammenden Alexander Korda, der zuvor in Wien und Berlin gearbeitet hatte, inszeniert und produziert wurde. Das Szenenbild entwarf dessen Bruder Vincent Korda; der ebenfalls aus Österreich-Ungarn eingewanderte Lajos Biró arbeitete mit am Drehbuch, und die Musik zum Film schrieb der deutsche Komponist Kurt Schröder. Dass die Ästhetik des britischen Kinos sich zu einem beträchtlichen Teil der Mitwirkung von Leuten verdankt, die ihr Handwerk in Deutschland und Österreich erlernt haben, ist eine der Hauptthesen des hier vorzustellenden Buches.

History of the Book and Censorship in Russia. The Second Blium Readings.
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General and professional education committee of Leningrad region
Pushkin Leningrad State University Faculty of Law
Nizhny Novgorod Regional Department of the Russian Society of Historian-Archivists

invite historians and lawyers to participate in

the international scientific conference devoted to Arlen V. Blium,

"History of the Book and Censorship in Russia. The Second Blium Readings"

21-22 May 2013

The aim of the conference is a uniting of the scientific societies of art historians, philologists, historians and lawyers to discuss questions of state and law history, the history of the book, art, literature, and media control, in order to form new perspectives.

The main agenda:
- Arlen V. Blum's works;
- censorial institutions in pre-revolutionary Russia;
- censorial policy in pre-revolutionary Russia;
- legal status of censor in pre-revolutionary Russia. Biographies of the censors;
- history of the book and book publishing industry in pre-revolutionary Russia;
- censorial institutions in the RSFSR and the USSR: Glavlit. Glavrepertkom;
- censorial policy in the RSFSR and the USSR;
- legal status of censor in the RSFSR and the USSR. Biographies of the censors;
- special funds in libraries, museums and archives in the USSR;
- the history of the book and book publishing industry in Russia, the RSFSR and the USSR;
- history of the book and censorship abroad;

The conference is to have live or postal participation. Application forms and articles are to be sent by e-mail not later than 15 May 2013. The application form must contain: the title of report; first name, patronymic and surname of the author; advanced degree and position; the full name of the represented organization; address for sending the conference book, telephone number, e-mail of the author, and form of participation (live or postal).
Articles published in the international conference book are equal to works published in leading scientific journals and editions that reflect major scientific discoveries.
The Organizing committee reserves the right to select materials for publication in the "Leningrad Judicial Journal" (which is endorsed by the Highest Attestation Commission for publishing in the specialty of "jurisprudence").
The cost of article publishing: 1 page - 200 rubles. The article should be from 5 to 10 pages. Norms of work formatting are according to government standard. Word, double spacing. Receipt of payment (from the bank accounts of Pushkin Leningrad State University) is sent to the author at the same time as the confirmation of article acceptance for publication. Money transfer to the account of the university must be completed after receipt of confirmation of article acceptance by the Organizing committee.
The conference book is sent to authors providing payment for postage expenses: within Russia - 100 rubles, for foreign participants - 300 rubles.
For more information about the conference, accommodation and participation, contact us: +8(981) 811 0021 (Department of Theory and History of the State and Law) or by e-mail kaftigp@gmail.com with the phrase in the memo line "conference about censorship". The executive secretary responsible for the conference is Alena Portnova.
Our address: 196605, St. Petersburg, Pushkin, Peterburgskoe shosse 10.
Organizing committee

More than Men, Less than Gods. Studies on Royal Cult and Imperial Worship
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Panagiotis P. Iossif / Andrzej S. Chankowski / Catharine C. Lorber (Hg.): More than Men, Less than Gods. Studies on Royal Cult and Imperial Worship (rezensiert von Kostas Buraselis)

Der umfangreiche und gehaltvolle Band geht auf ein lebhaftes Athener Kolloquium zurück, welches Aspekten des antiken Herrscherkultes galt. Die siebzehn Referate wurden für den Druck verarbeitet, oft (und in einigen Fällen erheblich) erweitert und um einen einführenden Beitrag zum Forschungsstand von Chankowski sowie um abschließende und ausblickende Bemerkungen von Iossif und Lorbeer ergänzt. Neun verschiedene Register (713-735) erhöhen die Nützlichkeit des Werkes.

Ulrike Wörner: Die Dame im Spiel
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Ulrike Wörner: Die Dame im Spiel. Spielkarten als Indikatoren des Wandels von Geschlechterbildern und Geschlechterverhältnissen an der Schwelle zur Frühen Neuzeit (rezensiert von Britta Tewordt)

König, Dame, Bube: Motive auf Spielkarten, die im 21. Jahrhundert zum kollektiven Gedächtnis gehören. Ob Rommé, Skat oder Poker, in den Spielen geht es um Gewinnen oder Verlieren, also auch um die Erlangung und den Verlust von Macht. Dabei spiegeln die Spielkartenbilder, die auf ein mittelalterliches Hierarchiesystem rekurrieren, die Machtverhältnisse ihrer Entstehungszeit wider. Schlägt der König die Dame, die Dame den Buben oder umgekehrt? - In den Spielen werden den Karten Eigenschaften zugeschrieben, können etablierte Machtsysteme bestätigt oder auf den Kopf gestellt werden. Die Karte wird zum Körper, dem im Kollektiv der Spielkarten eine bestimmte soziale Stellung zukommt, der eine (Geschlechter-)Rolle performt. Wie Judith Butler konstatiert, ist "die Geschlechtszugehörigkeit keineswegs die stabile Identität eines Handlungsortes, von dem dann verschiedene Akte ausgehen; vielmehr ist sie eine Identität, die stets zerbrechlich in der Zeit konstituiert ist - eine Identität, die durch eine stilisierte Wiederholung von Akten zustande kommt." [ 1 ] Folglich ist auch ein Kartenspiel mit Bube, Dame und König unter anderem ein Spiel mit Geschlechterstereotypen und -verhältnissen.

Thomas P. Campbell / Elizabeth A.H. Cleland (Hg.): Tapestry in the Baroque
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Thomas P. Campbell / Elizabeth A.H. Cleland (Hg.): Tapestry in the Baroque. New Aspects of Production and Patronage (rezensiert von Wolfgang Brassat)

Nachdem 2002 im Metropolitan Museum of Art in New York die große Ausstellung Tapestry in the Renaissance: Art and Magnificence zu sehen war, präsentierte dasselbe Haus 2007/2008 das ebenso ambitionierte Nachfolgeprojekt, die Ausstellung Tapestry in the Baroque: Threads of Splendor , die danach auch im Palacio Real in Madrid gezeigt wurde. Begleitend zu ihr veranstaltete das Museum ein Symposium, dessen Akten 2010 unter dem Titel Tapestry in the Baroque. New Aspects of Production and Patronage erschienen sind. In seiner Einleitung erläutert der Herausgeber Thomas P. Campbell das Konzept der von ihm initiierten Ausstellung, in der man abermals darauf verzichtete, ganze Bildteppichfolgen auszustellen, um anhand einer exquisiten Auswahl einzelner Stücke einen repräsentativen Überblick über die Geschichte der Tapisserie von ca. 1580-1720 und ihrer wichtigsten Produzenten in Brüssel, Delft, München, Paris, Mortlake, Florenz, Rom und Beauvais zu geben. Wie die thematisch weit gefasste Vorgabe "Aspects of Production and Patronage" erwarten ließ, beleuchten die weiteren 14 Beiträge der umfangreichen, mit 241 überwiegend farbigen Abbildungen aufwändig ausgestatteten Publikation zahlreiche Facetten der Geschichte der barocken Tapisserie, wobei ihre durchgehend hohe Qualität die Lektüre dieses Buches zu einem lohnenden Unterfangen macht.

Klaus Roth (Hg.): Feste, Feiern, Rituale im östlichen Europa
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Klaus Roth (Hg.): Feste, Feiern, Rituale im östlichen Europa. Studien zur sozialistischen und postsozialistischen Festkultur (rezensiert von Walter Leimgruber)

Feste stellten in den sozialistischen Ländern – „entgegen verbreiteten stereotypen Vorstellungen“ – einen wichtigen Teil des Privatlebens, des öffentlichen Lebens und vor allem des Arbeitslebens dar, hält der Herausgeber in seinem Vorwort fest. Es wird nicht klar, auf welche Stereotypen er sich bezieht, wohl auf westliche Vorstellungen des sozialistischen Lebens als grau, eintönig, freudlos und ausschließlich von Arbeit geprägt. Auf jeden Fall hat sich eine beachtliche Anzahl von Forscherinnen und Forschern aus Ost und West im Rahmen eines Forschungsprojektes und zweier Tagungen daran gemacht, Alltag und Fest in den ehemals sozialistischen Ländern vergleichend zu untersuchen. Der vorliegende Band veröffentlicht 22 der 39 Vorträge, die auf den beiden Tagungen gehalten wurden.

Timothy Snyder: Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin (rezensiert von Jörg Ganzenmüller)
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Der Großteil der Opfer der nationalsozialistischen wie der stalinistischen Herrschaft kam aus Polen, dem Baltikum, der Ukraine, Weißrussland und dem westlichen Russland. Diese Region erfuhr die zwei Jahrzehnte zwischen 1928 und 1948 als eine Zeit extremer Gewalt. Timothy Snyder rückt die zahlreichen Orte deutscher und sowjetischer Massenverbrechen, von denen hierzulande allzu viele unbekannt sind, in den Mittelpunkt seines neuen Buches und weckt damit ein Bewusstsein für die spezifische Gewalterfahrung des östlichen Europas im 20. Jahrhundert. Dies gelingt nicht zuletzt dadurch, dass er den Orten des Geschehens einen gemeinsamen und eindringlichen Namen gibt: die "Bloodlands".

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